Saisonkräfte ganzjährig beschäftigen: So soll das funktionieren

Saisonkräfte ganzjährig beschäftigen: So soll das funktionieren (Foto: Aurelien DP/Pixabay)
Foto: Aurelien DP/Pixabay

„Gemeinsam mit unserem Sozialpartner – der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten – und der Landesregierung haben wir ein Modell entwickelt, wonach es zukünftig gelingen könnte, einen großen Teil der saisonal Beschäftigten in der Branche ganzjährig anzustellen. Mit diesem tragbaren Ergebnis haben wir für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Branche viel erreicht und die Attraktivität der Branche deutlich gesteigert“, erläuterte Guido Zöllick, Präsident des Dehoga MV.

Für 29 Saisonbeschäftigte aus 15 Betrieben des Hotel- und Gaststättengewerbes fördert das Landesarbeitsministerium Mecklenburg-Vorpommern in der Wintersaison 2016/17 (November bis März) die Umwandlung von Saisonverträgen in ganzjährige Beschäftigungsverhältnisse. Die Arbeitgeber erhalten bis zu vier Monate einen Zuschuss von 40 % der Personalkosten, wenn sie ihre Mitarbeiter während der Saisonlücke beschäftigen, anstatt sie wie in den vergangenen Jahren freizusetzen. Mithilfe der Förderung sollen die Unternehmen in die Lage versetzt werden, saisonverlängernde Maßnahmen anzubieten und ihr Geschäft auszuweiten. So sollen sie mittelfristig ganzjährige Beschäftigungsverhältnisse aus eigener Kraft anbieten können. Ziel ist es, dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Zöllick dazu: „Die gemeinsame Arbeit in dem durch das Bundesarbeitsministerium initiierten Projekt „Gute Gastgeber – Gute Arbeitgeber“ war richtig und wichtig. Schwankungen in Nachfrage und Auslastung führen in Mecklenburg-Vorpommern dazu, dass die Zahl der Beschäftigten zwischen Sommer und Winter stark voneinander abweicht.  Mit dem Modell der ganzjährigen Beschäftigung hier Abhilfe zu schaffen würde die Beschäftigungssituation in den Unternehmen spürbar entspannen und den betreffenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zukünftig eine berufliche Ganzjahresperspektive geben. Hinzu kommen die positiven Effekte im Hinblick auf Renten- und Sozialsysteme. Von unserem Modell profitieren also Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Vater Staat gleichermaßen.“

Zöllick weiter: „Gerade kleinere Betriebe sind häufig nicht in der Lage, ihre Mitarbeiter ganzjährig zu beschäftigen, auch wenn sie das gern täten. Die Ertragslage und die Auslastungssituation lassen es einfach nicht zu. Ich hoffe sehr, dass unser Konzept aufgeht und die Förderung dazu führt, dass die Unternehmen Neugeschäft generieren können. Nur so können sie mittelfristig ohne Förderung ganzjährige Beschäftigung finanzieren.“

Hintergrund und Ziele
Für das Hotel- und Gaststättengewerbe sind hohe saisonale Schwankungen in der Beschäftigung typisch. Die Saisonzeiten variieren je nach regionaler Ausprägung. Bundesweit werden in den Wintermonaten ca. 90.000 Beschäftigte im Gastgewerbe Jahr für Jahr arbeitslos, in Mecklenburg-Vorpommern sind es ca. 10.000. Saisonarbeitsverhältnisse sind für die Betriebe, die Beschäftigten und den Staat problematisch. Saisonkräfte sind schwer an die Unternehmen zu binden. Die Beschäftigten werden jedes Jahr arbeitslos und zahlen nur wenig kontinuierlich in die Altersvorsorge ein. Damit droht eine geringe Rentenleistung im Alter. Die Bundesagentur für Arbeit finanziert wiederkehrend jedes Jahr über mehrere Monate die saisonale Arbeitslosigkeit.

Guido Zöllick, der seit dem 21. November 2016 auch Präsident des Dehoga-Bundesverbandes ist, sagt abschließend: „Von Anfang an war uns die Bedeutung dieser Projektarbeit bewusst. Sollte der Pilotversuch in Mecklenburg-Vorpommern erfolgreich evaluiert werden, wäre hiermit der Weg frei, das Modell in den Bund auszurollen. In meinen Augen wäre dies ein großer Erfolg für die Branche.“