Gastgewerbe ist weltoffen für Gäste und Mitarbeiter

Im Gastgewerbe kann man schnell Karriere machen, auch Flüchtlinge / Foto: Dehoga/Cordula Giese

"Das Gastgewerbe ist weltoffen für Gäste und Mitarbeiter. In unseren Betrieben in Thüringen arbeiten weit mehr als 30 Nationalitäten", sagte Dirk Ellinger, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Thüringen, kürzlich beim Delegiertentag in Erfurt. "Allein in unserem Kompetenzzentrum geben wir den theoretischen und handlungsorientierten Unterricht im Rahmen der Berufsausbildung in einer Klasse mit spanischen Auszubildenden und in zwei Klassen mit vietnamesischen Jugendliche. Deshalb unterstützen wir Programme, die auch für die Branche in Thüringen zukünftige Fachkräfte sichern. Denn wir sehen die Flüchtlinge als Chance - nicht nur für unsere Branche, sondern für Deutschland.“

Aber noch stimmen die Voraussetzungen für neue Erfolgsgeschichten nicht - überbordende Regulierungen bremsen das Gastgewerbe weiterhin aus. "Da sind die immer weiter ausartenden bürokratischen Vorschriften, die unsere Unternehmer immer mehr an den Schreibtisch zwingen und damit aus dem operativen Arbeiten am Gast. Hier in Thüringen ist unsere Branche kleinteilig geprägt. Wir können kaum Mitarbeiter für die zu bewältigende Bürokratie einsetzen. Zum einen, weil wir Mitarbeiter kaum noch finden bzw. genügend haben und zum anderen eben dafür nicht bezahlen können", klagte Dehoga-Landespräsidentin Gudrun Münnich. "Ich kann nur zum wiederholten Mal an die Politik appellieren, im Vorschriftenwahn auf die kleinen Familienbetriebe mit zwei, drei Mitarbeitern zu sehen und sich dann objektiv die Frage zu stellen, wie manche Vorschriften denn umgesetzt werden sollen. Ich denke da aktuell an alle Aufzeichnungen um den Mindestlohn und der Arbeitszeiterfassung aber auch alle Listen bezüglich Kennzeichnung und Hygiene, Belehrung der Mitarbeiter über Arbeits- und Datenschutz usw.“

Der Durchschnittsumsatz im deutschen Gastgewerbe betrug demnach 320.861 Euro. Damit liegt das Thüringer Gastgewerbe fast 140.000 Euro unter dem deutschen Durchschnitt. „Bei einer umsatzbezogenen Rentabilität von vier bis zehn Prozent sind dies zwischen 7.000 bis 18.000 Euro. Davon muss der Inhaber und vielleicht seine Familie leben, seine Altersvorsorge und Krankenversicherung bezahlen und auch seine Kredite bedienen“, machte Ellinger deutlich. 

Auch werden die „Erleichterungen“ bei den Dokumentationspflichten des Mindestlohnes zwar als Schritt in die richtige Richtung, aber keineswegs als ausreichend angesehen. Wenig Verständnis können die Delegierten für die immer wieder negativen Äußerungen der Gewerkschaft NGG aufbringen. „Wenn die NGG als unser Sozialpartner die Branche nur schlecht redet und immer wieder Einzelfälle verallgemeinert, um über unzumutbare Arbeits- und Ausbildungsbedingungen zu berichten und noch mehr Kontrollen der Aufsichtsbehörden und des Zolls fordert, so müssen wir uns doch ernsthaft fragen, welche Strategie sie damit verfolgt", kommentierte Frau Münnich.

Bild: Im Gastgewerbe kann man schnell Karriere machen, auch Flüchtlinge / Foto: Dehoga/Cordula Giese